Privatleben als Malobjekt. Die Skagensmaler und die intime Malerei 
Sonderausstellung
Vom 18. Juni bis 11. September 2005
Privatleben als Malobjekt Die Skagensmaler und die intime Malerei
Die Ausstellung zeigt Bilder der Skagensmaler von ihrem Privatleben, gruppiert in verschiedene Themen, deren Mittelpunkt immer das ganz Private ist. Der Besucher erhält damit einen umfassenden Eindruck, wie die Skagensmaler alle Aspekte ihres intimen Lebens schilderten.
Die meisten ausgestellten Werke sind Eigentum des Skagens Museums, ergänzt mit Leihgaben von AroS - Aarhus Kunstmuseum, Göteborgs Konstmuseum, Michael und Anna Anchers Haus, Vestsjællands Kunstmuseum sowie mit Werken aus Privatbesitz.
Insgesamt werden mehr als 40 Arbeiten auf der Ausstellung vorgestellt. Im Zusammenhang mit der Ausstellung gibt das Skagens Museum das Buch At male sit privatliv – skagensmalernes selviscenesættelse (Privatleben als Malobjekt - Die Selbstinszenierung der Skagensmaler) heraus.
Öffnungszeiten der Ausstellung: Täglich 10-17 Uhr
Die Ausstellung ist aufgeteilt in folgende Themen:
1. Privatleben 2. Kranke Mädchen und Frauen 3. Das repräsentative Privatleben 4. Gartenbilder 5. Hip, hip, hurra! 6. Vorarbeiten zu Hip, hip, hurra! 7. Jägerbilder 
Privatleben 
Die Skagensmaler schilderten sehr oft ihr Privatleben. Sie bilden auch die Gruppe von Künstlern, die mehr als andere mit Darstellungen von Heim, Haus und familiärer Intimität verbunden werden. Schon damals gab es großes Interesse am Privatleben der Künstler. 1883 berichteten Journalisten erstmals der Öffentlichkeit vom heiteren Leben der Künstler in Skagen, und bald danach beschäftigten sich auch bekannte Schriftsteller mit diesem Thema. Aus den Reportagen vom lustigen Leben in der Künstlerkolonie wurden im Laufe der 1890er Jahre und zu Anfang des neuen Jahrhunderts längere Artikel über das Zuhause der Künstler. Zusammen mit den eigenen Werken, in denen sie ihr privates Leben zeigten, sorgten die Medien durch die Beschäftigung mit ihrer Intimsphäre auch für ein wachsendes allgemeines Interesse an der Kunst der Skagensmaler.
Die Bilder der Skagensmaler von ihrem Privatleben wirken unformell und intim. Auch wenn die Bilder schon vor mehr als 100 Jahren entstanden sind, geben sie doch Einblick in Alltagssituationen, die auch heute viele aus ihrem eigenen Leben kennen. Der Betrachter ist eingeladen als Zeuge privater Augenblicke: Frühstück bei der Familie Tuxen im Haus Dagminne, Helga Ancher beim Füttern der Familienhunde, Michael Ancher beim Frühstücken mit dem bettelnden Jagdhund. Oft schildern die Skagensmaler auch weniger schmeichelhafte, aber doch humoristische Situationen, wie beispielsweise Michael Ancher, der sich einen Schuh ausgezogen hat, weit zurückgelehnt auf einem Stuhl sitzt und voller Stolz die neuen Jagdstiefel betrachtet - und dabei deutlich seinen dicken Bauch enthüllt.
Diese Darstellungen tragen dazu bei, die ansonsten anonymen Künstler zum Leben zu bringen. Gleichzeitig stärkt sich die Empfindung des Betrachters, unsichtbarer Zeuge authentischer und nicht inszenierter Situationen zu sein, weil die Personen in den Bildern unsere Blicke nicht erwidern. Auf diese Weise hat man als Betrachter den Eindruck, dicht an das Leben und Wirken der Skagensmaler heranzukommen, auch wenn die Bilder von ihrem Privatleben einen hohen Grad an Selbstinszenierung aufweisen. 
Kranke Mädchen und Frauen 
Die Skagensmaler haben öfters Bilder von ihrem Schlafzimmer gemalt. 1885 malte Viggo Johansen seine Frau Martha, während sie krank im Bett lag. Um 1890 malte Michael Ancher seine Tochter im Krankenbett, und kurz nach 1900 machte er ein Bild von seiner bettlägerigen Ehefrau. Michael Ancher hatte schon 1882 ein krankes Mädchen abgebildet mit Hilfe von Tine aus Skagen als Modell. Bilder von kranken und bettlägerigen Frauen waren am Ende des 19. Jahrhunderts sehr beliebt in Europa, weshalb der norwegische Maler Edvard Munch diese Jahre auch als "Kisssenzeit, Krankenbettzeit und Bettdeckenzeit" bezeichnete.
In der zeitgenössischen skandinavischen Literatur finden sich zahlreiche Berichte von blassen und schwächlichen Frauen und Mädchen als Opfer der verschiedensten Krankheiten. Besonders die männlichen Autoren dieser Zeit machten geradezu einen Kult aus dem Phänomen "Kranke Frauen / Mädchen". Die Bilder von kranken Frauen und Mädchen der Skagensmaler liegen ganz in der Tradition dieser Beschäftigung mit dem hinfälligen schwachen Geschlecht. Allerdings sehen die bettlägerigen Frauen auf den Bildern der Skagensmaler nicht so aus, als wären sie von einer tödlichen Krankheit betroffen. Helga Ancher sitzt halb aufgerichtet im Bett und streichelt ihre Katze. Martha Johansen schaut im Liegen offenbar zum Fenster hinaus, das sich - nach dem Lichteinfall zu beurteilen - außerhalb des Bilderrahmens befindet. Und ob Anna Ancher überhaupt krank ist, lässt sich nicht genau sagen, denn sie liegt mit dem Gesicht zur Wand. Allerdings sind die bettlägerigen Personen in den Schilderungen der damaligen Epoche wohl doch meistens krank gewesen, denn gerade Krankheit war oft der Anlass zum Eindringen in den intimsten Raum eines Zuhauses, um dann dort zu malen.
Auch wenn nicht alle intimen Werke auf öffentlichen Ausstellungen gezeigt wurden, bezeugt dieser Motivkreis dennoch, dass die Skagensmaler in allen Aspekten ihres Privatlebens künstlerische Möglichkeiten sahen. Der Besucher hat so das Gefühl, auch an den intimeren Seiten eines Künstlerlebens teilnehmen zu können. 
Das repräsentative Privatleben 
Neben den vielen Schilderungen ihres mehr intimen Privatlebens malten mehrere Skagensmaler auch repräsentative Bilder davon. Diese Werke haben den Charakter offizieller Porträts. Die kleineren Formate, die für viele der mehr intimen Bilder vom Privatleben der Künstler typisch sind, werden hier ersetzt durch größere und repräsentativere. Das Gefühl, Zuschauer privater Situationen zu sein, wird bei den repräsentativen Schilderungen des Privatlebens mehr zum Bewusstsein, dass das Private jetzt für ein größeres Publikum gedacht ist.
Michael Ancher hat mehrere repräsentative Gemälde gemalt, zum Beispiel Juledag 1900 (Weihnachtstag 1900 ). Auf dem Bild hat Ancher drei Frauengeneration in der Familie Brøndum wiedergegeben. Sie haben sich vermutlich am Weihnachtstag zur Bibellesung versammelt, wurden aber offenbar dabei gestört, denn alle richten ihre Aufmerksamkeit auf etwas, was sich außerhalb des Bildfeldes befindet. Das Bild wirkt intim und zugleich auch repräsentativ - der Betrachter ist Zeuge einer privaten Situation, doch die Größe des Bildes lässt an ein offizielles Gruppenporträt denken. Die Frauen haben sich gesetzt, als erwarteten sie, fotografiert zu werden, wodurch eben der repräsentative Charakter des Bildes unterstrichen wird.
Peder Severin Krøyer malte zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein repräsentatives Porträt von Holger Drachmann, wie er vor dem Kaminfeuer in seinem Skagener Heim sitzt. Die Inszenierung des großen Malers und Dichters geschieht hier mit Hilfe mehrerer Requisiten: Das weiße Papier auf seinem Schoß, die Zigarre in der einen Hand, den Federhalter in der anderen. Dazu die Gemälde und Skizzen im Bildhintergrund. Die Komposition des Bildes hat mehrere Ähnlichkeiten mit der Komposition von Dagens arbejde bedømmes (Die Arbeit des Tages wird beurteilt). Drachmanns zurückgelehnte Haltung ist fast eine Wiederholung von Anna Anchers Figur im Bild von Anna und Michael Ancher mit dem intellektuellen Künstlerehepaar, das das Tagesergebnis seiner Arbeit betrachtet. 
Gartenbilder 
Bilder von Gärten in Skagen haben mehrere Skagensmaler gemalt. Am häufigsten wurde wohl der Alte Brøndumsche Garten gemalt - heute der Garten des Skagens Museums. Der Garten funktioniert oft als Verlängerung des privaten Raumes und wird zu einer Art Freiluft-Privatraum, in den die sonst zu Innenräumen gehörigen Aktivitäten ins Freie gerückt sind wie zum Beispiel Lesen, Nähen, Essen und Trinken. Es war neu und modern in der damaligen Kunst, solche Gartenaktivitäten zu schildern. Auch bei den Impressionisten gibt es diesen Motivkreis. In den 1880er Jahren malte Peder Severin Krøyer mehrere Bilder vom Alten Brøndumschen Garten, in denen die Künstlergemeinschaft die Hauptrolle spielt. Am bekanntesten ist sein Bild Hip, hip, hurra! Die Gärten von Skagen waren Freiräume für die Künstler und ihr soziales Leben, wo sie sich in ihren gemeinsamen Aktivitäten entfalten konnten, ohne die Illusion einer öden, schroffen und unberührten Skagener Landschaft zu zerstören. Das Wort "Garten" bedeutet "Umzäunung, Eingehegtes", und so hatten auch die Gärten von Skagen die Funktion von Einzäunungen und Abschirmungen gegen die eigentliche Natur.
Die Gartenbilder lassen sich in zwei Motivkreise einteilen: Soziale Gartenbilder und private Gartenbilder. In den sozialen Gartenbildern schildern die Künstler ihr soziales Beisammensein, in den privaten Gartenbildern ihre eigene nächste Familie. Als Anna und Michael Ancher das Haus in der Straße Markvej bezogen, malte Michael Ancher mehrere Bilder vom Garten um das Haus. 1895 zogen Marie und Peder Severin Krøyer in ihr Sommerhaus in Skagen, und hier malte Krøyer mehrere Bilder mit Marie und der Tochter Vibeke im Garten des Hauses. 
Hip, hip, hurra! 
Im Mai des Jahres 1884 zog die Familie Ancher in ihr Haus an der Straße Markvej. Zusammen mit Freunden wurde der Umzug mit einem Essen im Garten gefeiert. Unter den Gästen war auch der deutsche Marinemaler Fritz Stoltenberg, der mehrere Fotos von der Tischgesellschaft machte. Möglicherweise haben diese Fotos Krøyer zu seinem Bild angeregt. Anfangs arbeitete Krøyer in Anchers Garten, aber nachdem er sich mit Michael Ancher zerstritten hatte, malte er das Bild im Alten Brøndumschen Garten fertig, dem Garten des heutigen Skagens Museum. Auf dem Bild sind von links nach rechts zu sehen: Martha Johansen, Viggo Johansen, der norwegische Maler Christian Krohg, Krøyer selbst, Degn Brøndum, Michael Ancher, der schwedische Maler Oscar Björck, der Maler Thorvald Niss, die Lehrerin und Organistin Helene Christensen sowie Anna und Helga Ancher. Die Personen am Tisch sind nicht genau dieselben, die bei dem damaligen Einzugsfest dabei waren. Krøyer wollte nicht ein besonderes Ereignis schildern, stattdessen die besondere Gemeinschaft und das soziale Miteinander der Künstler. Mehrmals versuchte er, einige seiner schwedischen und norwegischen Künstlerkollegen zu einem Besuch in Skagen zu überreden, damit er das Bild fertig stellen konnte. Erst 1888 hatte er damit Erfolg, als Oscar Björck und Christian Krohg nach mehrjähriger Pause wieder nach Skagen kamen.
Schon seine Zeitgenossen sahen in dem Bild ein Emblem der Künstlergemeinschaft in Skagen, auch wenn das grüne Laub um die Gartengesellschaft kaum eine Ähnlichkeit mit der Landschaft um Skagen hat. Es fehlt jede Spur von der sandigen und schroffen Landschaft, vom Meer, von den charakteristischen Skagenhäusern oder von der "exotischen" Landbevölkerung, die viele der Skagensmaler in diesen Landesteil gelockt hatten. Eigentlich hätte dieses Bild auch im Garten einer Kopenhagener Vorstadt oder in Paris gemalt sein können. Die Anekdoten, die sich die Künstler von ihren festlichen Zusammenkommen erzählten, spielen eine große Rolle in der Geschichte der Skagensmaler. Und deshalb besteht auch für den Betrachter nicht der geringste Zweifel: Wir sind in Skagen. 
Vorarbeiten zu Hip, hip, hurra! 
Peder Severin Krøyer arbeitete mehrere Jahre an seinem Bild Hip, hip, hurra! Er fertigte viele Skizzen zu den einzelnen Personen auf dem Bild und zur Komposition an. 1885 zeichnete er diese Kompositionsskizze mit einer anderen Personenzusammensetzung als auf dem fertigen Bild von 1888. Auf dem Bild sind von links nach rechts zu sehen: Martha Johansen, Viggo Johansen, der schwedische Maler Oscar Björck, Krøyer selbst, Degn Brøndum, Michael Ancher, Anna Anchers Bruder, John Brøndum, die schwedische Malerin Anna Palm und Anna Ancher mit Helga auf dem Schoß.
Im fertigen Bild sitzt Oscar Björck an der anderen Seite des Tisches, wo Johan Brøndum platziert ist. Anna Palm wurde mit der Lehrerein und Organistin Helene Christensen ausgetauscht, der norwegische Maler Christian Krohg hat den ursprünglichen Platz von Oscar Björck eingenommen. 
Jägerbilder 
Die Jagd war als Freizeitvergnügen und als Motiv bei vielen Skagensmalern sehr beliebt. Sie gingen nicht auf die Jagd, weil sie es zum Überleben brauchten, sondern weil sie ihnen Sport und Unterhaltung war. Wenn die Skagensmaler sich selbst und einander als Jäger abbildeten, ging es ihnen nicht nur um ihre Geselligkeit. Sie sahen sich auch als eine Art Naturmenschen. Indem sie sich eine Uniform - die Jagdbekleidung und -ausrüstung - anlegten, distanzierten sie sich von der Identität, die sie in den Städten hatten. Die Jagd war auch ein Hinweis darauf, dass sie ein natürlicher Teil der Skagener Umgebung waren - und gleichzeitig unterschieden sie sich damit von der lokalen Bevölkerung.
1895 machte Krøyer seine ersten Skizzen zu dem großen Bild Skagens jægere (Die Jäger von Skagen), das er 1898 fertig stellte. Es zeigt eine Auswahl der Künstler und der gehobenen Bürgerschaft. Die Jäger ruhen sich auf einer Düne aus, hinter ihnen steht ein Picknickkorb. Das Bild schildert das Ende eines Jagdpicknicks - deutlich gemacht durch mehrere leere Flaschen im Vordergrund. Michael Ancher hat öfters in seinen Erinnerungen beschrieben, wie die Künstler zur Jagd gingen und welch große Rolle die Jagdpicknicks und -feste dabei spielten. Krøyer hat das Bild über eine Diagonale von der linken unteren Ecke hinauf zur oberen rechten Ecke komponiert. Die Personen sind um diese Diagonale herum angebracht. Zeichnet man eine Linie um die Gruppe, ergibt sich ein spitzes Dreieck, das die Form der Düne wiederholt, an deren Hang sie liegen. Auf diese Weise werden sie ein natürlicher Teil der Landschaft, noch betont durch ihre Kleidung in denselben Farben wie die Dünenlandschaft um sie herum.
Michael Ancher und Laurits Tuxen malten 1905 große Figurkompositionen mit Jägern. Auch hier handelt es sich um Abbilder der sozialen Gemeinschaft der Künstler. 
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